Nachbericht Katrin Böhme und Gabriele Bornemann: Kompetenz allein reicht nicht – die emotionale Logik des Erfolgs

Gleich zu Beginn ihres Vortrags sprechen Marken-Expertin Katrin Böhme und Gabriele Bornemann, geschäftsführende Gesellschafterin der Management Alliance, eine ihrer Erkenntnisse aus der täglichen Praxis klar aus: Kompetenz allein ist kein Erfolgsgarant.

Aber wer glaubt wirklich, dass Kompetenz und Erfolg so unmittelbar zusammenhängen? Wer hat sich nicht schon gefragt, warum die eine oder andere – vielleicht sogar weniger kompetent wirkende – Person auf der Überholspur vorbeizieht. Und warum das so oft ein Mann ist?

Für Katrin Böhme und Gabriele Bornemann ist der Fall klar: Die Männer spielen das Spiel um Macht, Einfluss und Erfolg einfach besser. Sie denken weniger darüber nach, ob sie wirklich kompetent genug sind. Sie scheitern daher nicht an ihren eigenen Erwartungen und sie wirken weniger emotional. Ja, das ist schon länger bekannt. Aber: Was bedeutet das konkret für die Positionierung von Frauen in der Berufswelt? Was kann dazu beitragen, die eigene Sichtbarkeit und Position zu verbessern?

Hier hilft ein Blick auf die Landkarte der Emotionen (Limbic Map) von Hans-Georg Häusel. Er klassifiziert drei Verhaltenstypen: Dominanz, Balance, Stimulanz. Dominante Typen streben nach Selbstdurchsetzung, Konkurrenzverdrängung, Status, Macht und Autonomie. Menschen, die nach Balance suchen, wünschen sich Sicherheit und Stabilität und neigen dazu, Risiken zu vermeiden. Oft läuft es in der Realität dann so ab: Dominante männliche Vorgesetzte wollen Stärke zeigen und demonstrieren, dass sie die Besten sind. Steigt nun eine kompetente Frau in die Führungsriege ein, geht er davon aus, dass sie ihm nicht helfen kann oder will, seine Stärke zu manifestieren. Im Gegenteil: Er befürchtet, dass sie ihm mit ihrer Kompetenz gefährlich werden kann. Und damit ist das Spiel eröffnet.

Katrin Böhme und Gabriele Bornemann empfehlen Frauen, die sich in einer solchen Situation wiederfinden, mitzuspielen. Dabei sollten sie nicht verbissen auf ihre Kompetenzen beharren, sondern im Sinne des Spiels clever agieren, auch mal die Perspektive wechseln und wie eine Regisseurin das Miteinander aktiv gestalten.

Warum das hilfreich sein kann? Wer als Frau versteht, dass es in dem Spiel vorrangig um Macht und Status geht, kann lernen, mit Herabsetzungen, sexistischen Sprüchen oder Ausgrenzungen durch Männer auf bestimmte Art umzugehen – nämlich solche Dinge nicht persönlich zu nehmen. Wer es schafft, eine gewisse Distanz zu erlangen, schützt sich vor Verletzungen, kann die Bälle besser zurückspielen und besonnener reagieren. Was jedoch nicht heißt, dass sich Frauen bis zur Selbstaufgabe verbiegen sollen. Vielmehr geht es darum, neue Verhaltensweisen zu erlernen und ins Repertoire aufzunehmen. Die Grenze ist dort, wo frau sie setzt.

Das Wissen um das Spiel ist jedoch nicht nur für Frauen relevant, die in Führungspositionen sind oder kommen wollen. Es unterstützt auch beim (Selbst-)Marketing:

  • Information + Emotion = Wahrnehmung: Wahrnehmung funktioniert wie ein geistiger Autopilot. Daten werden vom Gehirn aussortiert, Emotionen bleiben. Kaufentscheidungen werden häufig unabhängig vom Preis gefällt, vielmehr aufgrund der Emotion, die eine Marke auslöst. Deshalb gilt: Erzählt Geschichten, stellt eure Philosophie dar, erklärt eure Lebenseinstellungen usw.
  • Stärkt eure Wiedererkennbarkeit, werdet zur Marke! Kennt euren eigenen Wert und eure Werte.
  • Bietet Leistungen modular an mit der Option auf Zusatzleistungen, um Preise durchzusetzen.
  • „Auch Kundinnen und Kunden sind Menschen“: Wertschätzung schafft Wertschöpfung, statt B2B also H2H (Human to Human).

Die Quintessenz des Abends: Kompetenz und das Wissen, was in anderen Menschen vor sich geht, erhöhen die Aussichten auf Erfolg. Also lasst uns mutig sein, im Spiel des Business mitzuspielen, die Regie zu übernehmen und eigene Wege zu gehen. Ausdrücklich in einem förderlichen Miteinander von Männern und Frauen.

Die Referentinnen

Katrin Böhme ist leidenschaftliche Marketeer und dabei immer auf der Suche nach Werten und Motivation, die Menschen antreiben. Das Handwerk der Markenführung lernte und perfektionierte sie in traditionsreichen deutschen Manufakturen. Als Leiterin des Competence Circles Markenmanagement beim Deutschen Marketing Verband und als Mentorin im FutureSAX Netzwerk kümmert sie sich auch um die nächste Unternehmergeneration auf dem Weg zur erfolgreichen Marke.

Mehr unter: www.linkedin.com/in/markencoachkatrinboehme

Gabriele Bornemann, Geschäftsführerin der Management Alliance, setzt sich aktiv mit allen Aspekten rund um das Thema Leadership auseinander. Sie stellt den Ansatz eines ganzheitlichen Führungswissens für Führungskräfte, Top-Management bis hin zu Aufsichtsräten in den Fokus eines innovativen Fortbildungskonzepts. Die Management Alliance ist zudem zertifizierter Lehrgangsanbieter der Deutsche Börse AG und wurde zuletzt als TOP-Berater ausgezeichnet.

Mehr unter: www.linkedin.com/in/gabriele-bornemann-2349997a

Bericht: Manuela Freese-Wagner, www.manuelafreesewagner.de, Cornelia Rüping, www.traum-vom-buch.de
Fotos: Mandy Ahlendorf, www.ahlendorf-communication.com